Meta-Thema Nachhaltigkeit – aber was noch? Die Trends der IMM Cologne

Wohnen bedeutet Wohlfühlen. Gleichzeitig sind die eigenen vier Wände ein Ort, der unsere eigene Persönlichkeit widerspiegelt und gesellschaftliche Strömungen reflektiert. Dementsprechend war für mich beim Besuch der diesjährigen internationalen Möbelmesse in Köln offensichtlich: Umweltdiskussionen und „Fridays for Future“-Demonstrationen wirken sich auch auf Einrichtungstrends aus. Und darauf, wie sich die jeweiligen Hersteller auf der Messe präsentieren. Nachhaltigkeit war das alles bestimmende Meta-Thema – aber auch darüber hinaus gibt es Trends, die auf der IMM Cologne 2020 auffielen und die für jeden relevant sein sollten, der Markenauftritte im Raum gestaltet. Dementsprechend haben wir den Messebesuch als Teamausflug gestaltet: Aus dem Brand Spaces Team der Peter Schmidt Group haben mich keine Kolleginnen Dorothee Mainka, Sarah Walter und Michaela Horst begleitet.Welche Trends gab es also auf der IMM Cologne 2020?

1. Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit, Nachhaltigkeit 

Ich habe es bereits erwähnt: Das Thema Nachhaltigkeit war allgegenwärtig und äußerte sich auf allen Ebenen. Natürlich zuallererst in der Materialauswahl: Natürliches ist in – aber von Herstellern wird zugleich erwartet, dass sie zum Beispiel nachweisen können, dass die von ihnen verwendeten Hölzer aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammen. Bei MUUTO erfuhr ich außerdem, dass dort die Lackierungen aller Produkte von umweltschädlicherem 2K-Lack auf wasserbasierten Acryllack umgestellt werden. Und auch die ausgestellten studentischen Arbeiten beschäftigten sich fast durchgängig mit verantwortungsvollen Gestaltungslösungen.

Daneben drückte sich Nachhaltigkeit aber auch in der Art aus, wie sich die Hersteller auf der Messe präsentieren: Der Anspruch der eigenen Produkte und der Auftritt mussten zueinanderpassen. Auch beim Messebau überwogen daher natürliche Materialien. Die Stände waren außerdem kleiner und die Kommunikation klarer, offener, ehrlicher.

2. Sichtbar fügen statt verstecken

Klarheit, Offenheit, Ehrlichkeit – das passte wiederum zu einer zweiten Entwicklung unserer Zeit: Über alle Branchen hinweg erleben wir, dass in einer immer komplexeren Welt einfache, sofort nachvollziehbare Lösungen auf Menschen eine besondere Faszination ausüben. Diese intuitive Verständlichkeit kennzeichnete daher auch viele Produkte, die in Köln gezeigt wurden: Mechanische Funktionen wurden offengelegt; statt versteckter Schrauben sah man sichtbare Gelenke und Verbindungen, gelegentlich auch mit handgefertigten Keilen. Und wenn etwas aufgehängt werden musste, so erfolgte dies durch sichtbare Bohrungen und Schlingen.

3. Das Geflecht kommt zurück

Die Hersteller sind sich also einig, wenn es um die Auswahl natürlicher Materialien geht. Aber wie kann man sich von seinem Mitbewerber differenzieren, der ebenfalls auf Natur setzt? Logisch: Die Verarbeitung des Materials macht den Unterschied! Oft begegneten mir auf der Messe daher Holzstrukturen oder Ledergeflechte, die optisch und haptisch gleichermaßen interessante Oberflächen erzeugten. Ein großes Comeback feierte aber vor allem das Wiener Geflecht: ob beim Aérias Lounge Chair von Ippolito Fleitz (Hersteller: ClassiCon), bei dem es groß skaliert in Leder eingesetzt wird – oder natürlich bei Thonet, die es nicht nur für den ikonischen Caféhausstuhl verwenden, sondern gleich den ganzen Messestand damit ausstatteten

4. Braun wird das neue Bunt

Auch die Farben werden natürlicher, erdiger und gedeckter – selbst bei den Rottönen. Hier überwiegen wohlige Töne von Rosa bis Bordeaux. Doch es gab auch Ausnahmen: Dass der Retro-Memphis-Trend noch nicht ganz vorbei ist, zeigten die Messestände von Breetz, Schönbuch und Montana. Und auch die neue Kollektion von ObjectCarpet ist erwähnenswert: Die mutigen und farbenfrohen Teppiche, die man als Rollware oder Fliese bekommt, setzen sich deutlich von den herkömmlichen Teppichmustern ab. Sie sind knallig, bunt, mit starken Mustern oder floralen Ornamenten. Ich bin gespannt darauf, wer den Mut aufbringt, sich für die Stücke dieser Kollektion zu entscheiden – was ich übrigens sehr begrüßen würde.

5. Der Siegeszug des chinesischen Esstischs

Neues gibt es vielleicht bald auch in vielen Esszimmern: Auf der Messe begegneten mir nämlich viele runde Tische, die nach dem „chinesischen Prinzip“ funktionieren: mit einer drehbaren Platte in der Mitte, die die Speisen für alle bequem zugänglich macht. Ob mit drehbarer Platte oder ohne: Der Trend zum runden Esstisch gefällt mir. Jeder kann hier jeden sehen und sich bequem unterhalten – dies ist deutlich kommunikativer als die konfrontative Sitzordnung an rechteckigen Tischen.

Und woran kam man auch in diesem Jahr bei einem Besuch der IMM Cologne nicht vorbei? Richtig: dem „Design Haus“! Dieses befindet sich im Herzen der Messe und wird in jedem Jahr von einem anderen aufstrebenden Designer oder Team gestaltet. Diesmal stammte das Konzept von Mut Design aus Spanien und erinnerte an ein Urlaubsdomizil an der iberischen Küste. Gespickt mit zahlreichen baulichen Details und untermalt von sphärischen Klängen, war es mein Highlight der Messe – auch wenn ein Wehrmutstropfen bleibt: Die Auswahl der angeblichen Designhighlights der Möbelszene konnte ich persönlich nicht nachvollziehen.

Besondere Erwähnung gebührt auch dem Messestand von Prestoria. Dort hat man mit einfachsten Mitteln eine optische Täuschung erschaffen: Durch weiße Bänder, die im Raster der Wandplatten in beiden Achsen des Standes aufgespannt waren, entstand der Eindruck, dass Glasscheiben verbaut wurden – was natürlich nicht der Fall war. Die clevere Idee braucht keine großen Mittel, um zu wirken.

 

Ein Beitrag von Steven Cichon, Director Brand Spaces. Mehr über die Projekte, die er mit seinem Team realisiert, erfahren Sie hier.

Diese Website nutzt Cookies und Google Analytics, um Ihre Nutzungserfahrung zu verbessern.  Individuelle Datenschutzeinstellungen vornehmen
Einverstanden